Na gut, der Titel passt jetzt nicht wirklich, aber „from Konzi to Konzi“ hört sich natürlich selten bescheurt an. Worum geht´s? Ne Menge toller Sachen gab es die letzten Tage im Umkreis und natürlich auch im Rind zu erleben. Da hab ich mich doch mal aufgemacht und mir einige Konzerte angeschaut.
Hey, und wer hier meint Gästelisten Plätze abschnorren und Konzerte anschauen hätte was mit Vergnügen zu tun: Nein, Nein, Nein, das ist harte Arbeit ;-) Man muss ja up to date bleiben…
Los ging’s mit Goose aus Belgien im Schlachthof. Die Herren werden laut Presse gerne in den naheliegenden Topf mit Soulwax geworfen und auf der Insel und in diversen Fachblättchen gerade ziemlich gehyped. Klar ist eins, die Jungs machen bei Ihrer Musik keine Gefangenen! Da wird gesungen und jubiliert, Melodien, Hooklines und Tanzrythmen rausgefeuert als gäb’s kein Morgen. Die Synthies ballern die ganze Zeit und lassen nichts aus, was auf der Tanzfläche wirkt. Gut, ein bisschen Gitarre und Bass gibt´s hin und wieder auch aber das fällt kaum auf – und fehlt auch nicht. Das Rezept ist einfach, sie erfinden die Musik nicht neu und jeden Synthie-Sound hat man schon mal woanders gehört. Aber was sie machen, machen sie verdammt gut. Da stellen sich einem schnell die Nackenhaare hoch und das Tanzbein muss unweigerlich wippen.
Die wuchtigen Bassschläge waren im Schlachthof in jeder Faser spürbar und auch wenn ich den Schlachthof gerne mag, es war mir (wieder mal) viel zu laut. Nach meinen dritten Gehörsturz reicht´s mir eigentlich… http://www.goosemusic.com http://www.myspace.com/goosemusic
Edit: Fast hätte ich’s vergessen! Ganz großartiger Support war mit dabei: Union of Knives aus Schottland. Auch mit satter Elektronik versehen aber deutlich dezenter als die Kollegen aus Belgien. Union of Knives fixieren nicht so arg den Dancefloor und geben ihren Songs eine dunklen Note. Elektrorock aus einem Guss würde ich mal sagen. Und da mir die Herren unheimlich gut gefielen, hab ich doch auch mal was für die Support-Band-Kasse gemacht und ihnen zwei Platten abgekauft. Die waren allerdings so billig – fünf Euro – das die daran mit Sicherheit nichts verdienen. Vielleicht hätte ich Ihnen noch ein Bier ausgeben sollen.
Am Tag darauf in unserem Rind – 5Bugs aus Berlin. Ganz andere Nummer und verglichen mit den Belgiern könnte man das, was die Jungs machen, fast schon klassisch nennen. Punk-Rock mit ein paar Emo-Einflüssen (so nennt man das doch heute ;) ). Ich mag es eigentlich immer sehr, wenn auf einer Party eine Band spielt. Das hat aber auch so seine Tücken. Denn vor dem Konzert kommt die Party nur mühsam in Gang, weil alle auf die Band warten und danach sind einige schon wieder zu kaputt, um richtig die Party zu rocken. Im Großen und Ganzen war es aber doch ein gelungener Abend. Der Saal voll, die Stimmung gut. Einige Fans waren anwesend und konnten die Lieder komplett mitsingen, aber auch diejenigen, die die Bugs noch nicht kannten, waren von der hervorragenden aufspielenden Band schnell eingenommen. Meine Wenigkeit eingeschlossen. Hochsympathische Jungs, die ich gerne mal wieder bei uns sehen würde.
Am Sonntag dann was ganz anderes. The Killers in der Jahrhunderthalle! Das klingt für einen Indiefan wie die Verheißung schlechthin. Geburtstag und Weihnachten zusammen! Dementsprechend groß war die Erwartung und die Vorfreude. Ich mach es kurz. Es war gut, verdammt gut, vielleicht sogar zu gut, wenn es so etwas gibt. Aber kein Konzert hat mich in letzter Zeit so wenig berührt wie dieses. Lag es am alkoholfreien Bier, an den Rückenschmerzen, an der großen Halle? Mit Sicherheit nicht. Bei mitreißenden Konzerten ist es egal ob man einen im Tee hat oder nicht, bei Bands die einen packen verschwinden Rückenschmerzen von selbst – und an der Jahrhunderthalle lag es mit Sicherheit auch nicht. Für eine Location dieser Größe finde ich es dort immer sehr angenehm (der Kuppelbau flasht mich jedes mal wieder!).
Eigentlich war alles da. Ne Band mit zwei tollen Alben, ner ordentlichen Menge Hits im Gepäck, Bühne, Deko, Sound, Licht, Videovorspann, alles vom Feinsten! Aber der Funke sprang auf mich nicht über. Schade eigentlich.
Etwas ganz Großes gab es allerdings. Glitzerkonfettikanonen! Das muss ich mir unbedingt merken und mal für’s Rind holen. Da steh’ ich ja total drauf! Weiß nur noch nicht wann und für wen. Fehlfarben und Glitzerkonfettikanonen. Hm, vielleicht nicht… Bei Itchy Poopzkid dann aber spätestens :-)
Webseiten Videos und so sind ja bekannt, das such ich jetzt nicht raus…
Und weiter geht der Parforceritt durch das nächtliche Rhein Main. Am Donnerstag drauf gab es nämlich wieder mal was schickes im Rind. Emil Bulls akustisch. Als ich die Bulls buchte wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, ob es einen und welchen Support es geben würde. Dann kam eine lakonische Mail mit dem Namen Bosse. Bosse? Bosse… BOSSE!!! Yes, Beckerfaust. Großartig. Genau, der Bosse. Mit Kamikazeherz, Kraft, die Irritierten, Guten Morgen Spinner, Keine Panik und so weiter. Da war die Sache schon geritzt. Immerhin hatte ich schon zwei mal versucht Bosse ins Rind einzuladen, aber das hatte leider nie geklappt und so war er immer nur in der Krone und im Nachtleben zu sehen.
Der Aufbau und Soundcheck ging reibungslos und angenehm vonstatten. Zwischenzeitlich gab es etwas Aufregung wegen der Technik, was unser Tonmann Sven G. (Dank an dieser Stelle!) unkompliziert lösen konnte und somit alle zufrieden auf den Abend blickten. Der Saal füllte sich ganz ansehnlich (ehrlich gesagt hatte ich bei dem line up ne ganze Schippe mehr erwartet, aber auch so war es für nen Donnerstag ganz solide) und Bosse ging auf die Bühne. Jetzt hatte ich endlich mein eigenes Bosse Konzert. Bei dem dann noch 150 andere Leute dabei sein durften. Klar, ohne Band was ganz anderes, aber auch nur mit akustischer Gitarre ausgestattet absolut einnehmend. Eine Gänsehaut erzeugendes „Niemand Vermisst Uns“ und ein treibendes „Kraft“ waren natürlich die Höhepunkte. Auch der Rest des Sets zeigte, dass die Bosse Songs auch ganz ohne Band Wirkung entfalten und Axel Bosse alleine Bühnenpräsenz genug besitzt. Nicht zu vergessen ein wunderbares „Frankfurt Oder“, was mit dem Kommentar eingeleitet wurde, dass man auch mal für eine hässliche Stadt einen Song schreiben müsste. In diesem Sinne freue ich mich auf alles Kommende von Bosse und die nächste Platte, auf der man dann bestimmt auch das Lied „Rüsselsheim Main“ hören kann.
Mit den Emil Bulls hatte ich vorher eigentlich nicht wirklich viel am Hut. Gut, ich kannte einige Lieder und hatte sie auch schon live gesehen, aber größeres Interesse hatten sie bei mir noch nie geweckt. Im Vorfeld hatte ich mir „The Life Acoustic“ schon ein paar mal angehört und immer wieder erstaunt die Ohren gespitzt. Was dann von der Bühne kam hat mich aber wirklich beeindruckt. Ganz große Show kann man da nur sagen. Die Songs groovten ungemein und konnten in der Akustikversion schnell fesseln, eingängige Melodien und natürlich jede Menge Singalongs. Für die Puristen ist das natürlich nichts und so mancher Indie(…) wird bei Emil Bulls verächtlich die Nase rümpfen. Mir haben’s die Jungs mit dieser Show aber mehr als angetan. Ich badete genüsslich in herzerreißenden „These are Days“-Melodien und genoß Kübelweise Pathos und Frontmann Gepose. In diesem Sinne vielleicht auf ein Wiedersehen. http://www.myspace.com/bosserockt http://www.bosse-rockt.de http://myspace.com/emilbulls
Ach so, und da gibt es doch tatsächlich ein Video von dem Abend im Rind. So was aber auch, das macht man doch nicht, Kids!
Emil Bulls im Rind
And Now For Something Completely Different:
Am Freitag ging es dann wieder in den Schlachthof nach Wiesbaden. Green Concorde standen auf dem Programm. Die Dänen hatten schon einige Wellen geschlagen und ich wusste ziemlich genau was auf mich zukam. Dass die Herren, wie schon in so ziemlich allen Rezensionen erwähnt, Joy Division oder Interpol und Editors mit Löffeln gefressen haben, lässt sich nur bestätigen. Gradliniger Indierock mit gehetztem Gesang. Das gibt den Songs nach meinem Empfinden live einen sehr authentischen Klang. Und nicht zuletzt empfand ich eine unterschwellige Aggressivität. Meine Mitbesucher konnten das zwar nicht bestätigen, aber das sei hier mal gesagt.
Am Montag wäre dann noch Tele im Cooky´s gewesen, aber das Wochenende hat mich so zerlegt, dass ein Trip nach Frankfurt nur noch Strapaze gewesen wäre. Das ist aber eine andere Geschichte…
So, dann kann ich nur mal wieder appellieren, Jungs und Mädels, geht in die Clubs, schaut Euch Bands an, lasst Euch überraschen, probiert was aus und lasst Eure Synapsen vibrieren. Finger weg von schlechten Drogen und Alkohol nur in ungeheuren Massen!
Rock’n’Roll will never dead, Aldär!
Nachtrag: Jetzt hab ich doch glatt das Junkhead Konzert am Freitag unterschlagen. Na ja, das hol ich nach. Und das die Jungs rocken können, weiß man ja.
Begeisternswerter Blog, das ist ne glatte eins. Hättest du nur früher damit angefangen,aus dir hät echt was werden können.Aber des wird noch mit Sicherheit.Peace Love and XTC allways on your side.
Cooler Bericht. Wobei ich Dir beim Killers Konzert deutlich wiedersprechen muss. Ich fand das schon sehr cool.
jetzt wo den Beircht lese, wäre ich dann doch gerne beim EmilBulls Konzert gewesen. Egal. Das nächste mal.
Ben | 24. März 2007 | 17:17 Uhr
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