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9. März 2007
    sexismus
    Foto: rrho

So, heute ist also „Internationaler Frauentag“. Tolle Sache, und würde ich in der Volksrepublik China leben bzw. arbeiten, hätte ich heute sogar frei, weil ich – klar – eine Frau bin.
In diversen anderen Ländern (Serbien, Aserbeidschan usw.) ist heute sogar ein allgemein gültiger Feiertag…also auch für Männer.

Klar bin ich froh, dass ich wählen darf, „Männerberufe“ ergreifen dürfte, wenn ich denn wollte, bin dankbar dass Generationen vor mir „zu den Waffen“ griffen um mir das zu ermöglichen, und ich weiß, dass man es als Frau nicht überall „so leicht“ hat wie in unseren Breitengraden, und gerade deshalb denke ich am Weltfrauentag eher an meine Geschlechtsgenossinen in anderen Ländern & Kulturen, die diesen Tag weit aus nötiger hätten als ich. Aber wieso haben bspw Frauen in China heute frei, dank der Einkind-Politik werden aber vermehrt Mädchen abgetrieben als Jungs? Nun ja, das führt hier wohl zu weit…

Zurück in heimische Gefilde und „meinem Weltfrauentag“. Schon am frühen Morgen werde ich also an diesen wichtigen (Nicht-)Feiertag erinnert. Alice Schwarzer im Frühstücksfernsehen….. Hm, ja schön.

Ich komme nach dem Mittagstisch im Rind an und Kollegin Kathi berichtet entnervt von „ihrem“ Frauentag während dem Mittagstisch. 12 Frauen essen im Rind. Rufen vorher sogar an und reservieren für jetzt gleich und sofort einen großen Tisch. Es wird seeeehr oft betont, dass es für 12 FRAUEN sei. Kathi sieht übrigens während dem Telefonat aus dem Fenster und die Anruferin steht (incl ihrer 11 Freundinnen) schon direkt vor dem Rind….
Na gut. Kathi wurde von 12 Frauen, samt vielen Wünschen einigermaßen gestresst und fragte sich bereits nach wenigen Minuten, ob ein Männertag wohl genauso stressig sei….

Das Positivste an Kathis Fauentag war: Stammgast M. Schneider (Ja, ein Mann!) der seinen Tisch selbst abräumte, weil heute schließlich Weltfrauentag sei. So gefällt`s uns.

Abends dann, meine Schicht am Saaltresen. Weltfrauentag. Kabarett mit Petra Förster und im Saal ca. 80 Frauen zwischen 30 und 70 Jahren. Gespannt begann ich meine Schicht, da mir doch schon seltsame Dinge von vorherigen Frauentagen hier erzählt wurden („einmal standen alle auf und riefen „Schwanz ab“, „die schmeissen Männer immer aus dem Saal“ etc).

Bei dem Run auf die Getränke zeichneten sich zumindest deutliche Unterschiede zu männlichen Besuchern auf: 50% tranken Wein, 40% Apfelschorle und der Rest teilte sich auf zwischen Jever Fun und Bluna. Interessant.
Wenigstens eine anwesende Dame bestellte Radeberger….
Dann kam die Begrüssung von Frau Bergmiller, die sich u.a. sehr freute, dass es hier im Vergleich zu früheren Jahren so sauber(!) sei und der nette junge Herr (Herr Debus) so toll aufgebaut und dekoriert hat! Nun also Petra Förster.

Sie hat mir gut gefallen, wirklich gutes Kabarett! Sie schlüpfte in unglaublich viele verschiedene Personen und überzeugte mit brillianter Gestik, Mimik und Wortwitz. Schau ich mir auch gerne wieder an!

Dass sie allerdings die größten Lacher mit Menstruationsthemen erntete machten mir a) Angst und bewirkten b) leichte Übelkeit. Vom „Menstruationsschwämmchen“ über “das Tagestelefon der städtischen Menstruationsseelsorge“ bis hin zum „technischen Support für Slipeinlagen mit Flügeln“ wurde nichts ausgelassen. Besonders das „Menstruationsschwämmchen und in Wischtechnik gestrichene Wände“ sorgten bei mir, dank bildhafter Phantasie für Übelkeit.

Ehrlich gesagt mag ich dann doch lieber Gesprächsrunden mit männlichen Gesprächspartnern über die neusten Kotzgeschichten, Rülpswettbewerbe und die Farbe von Auswurf. Und das lieber bei Bier oder Wodka, statt Weißwein.

Nun ist die Veranstaltung zum Frauentag vorbei und ich bin verwirrt und zwiegespalten.
Ja, es ist gut, dass es einen Frauentag gibt. Doch warum sollen bei so einer Veranstaltung keine Männer anwesend sein? Haben wir was zu verbergen? Stören die Herren uns? Oder wollen oder sollen sie bei Menstruationsthemen vielleicht gar nicht anwesend sein? (Nun, für meinen Geschmack hätte man diese sowieso streichen können.)
Wozu die Männerwelt kollektiv schlecht machen?
Ich für meinen Teil spende am Weltfrauentag für ein Mädchenprojekt im Sudan, freu mich dass ich ein Mädchen bin, trinke weiterhin gerne Bier, finde das Wort „Menstruationsschwämmchen“ allein schon eklig, mag rosa und meide trotzdem Mädchenabende, finde Veranstaltungen zum Weltfrauentag seltsam und mag Männer nach wie vor. Und das nicht nur als „Leasing-Objekte“ wie heute vorgeschlagen.
Wer sich nicht vorstellen kann, wie die Veranstaltungen am Weltfrauentag im Rind so ablaufen, kann sich nächstes Jahr ein Bild davon machen, vorausgesetzt ihr seid weiblich.

PS Mein Kollege Marc Schaller ist übrigens davon überzeugt, dass er allein den Frauentag im Rind gerettet hat, schließlich hat er für Nachschub an meinem Tresen gesorgt und somit die Getränkeversorgung und das Event gerettet. (Ich habe darauf verzichtet ihn daran zu erinnern, dass dies sein Job ist und er dafür bezahlt wird).
Also, ein Hoch auf Herrn Schaller.

Geschrieben von Tina | Alle Beiträge von Tina | Kategorie: Kabarett, Rückblick, Stories


6 Kommentare zu “Sehr geehrte Damen und Damen!”


Dein Beitrag gefällt mir sehr, da ich mir die selben Fragen stelle.

Seit Tagen wird auf jedem Sender das Thema “Frauen in der Arbeitswelt” und “Die selbstbewusste Frau im neuen Jahrtausend” behandelt. Zusätzlich gibt es dann Berichte über “Frauen in Afrika” und “Die türkische Frau in Deutschland” mit dem Untertitel “Der Kampf gegen eine männerdominierte Welt“.

Der „internationale Frauentag“ beunruhigt mich zum Teil sehr. Es kommt mir eher so vor, als wäre es ein Tag für „Hausfrauen“, oder eine weltweite „Ü-40-Party“. Es wäre doch wohl schöner, wenn man das Ganze mit Kinderaugen betrachtet und einfach mal 365 Tage im Jahr den Teil vom Gehirn abschaltet, der für das Differenzieren schuld ist. Natürlich unterscheidet sich die Frau von dem Mann, genau so umgekehrt, aber das sind biologische Unterschiede.
Wenn ein Welt Frauentag darauf basiert Sachen zu unternehmen und zu diskutieren, die „speziell“ nur Frauen etwas angehen und ein Männertag mit Fußball und Bier in Verbindung gebracht wird, dann ist das Bewusstsein der Menschen in Deutschland so ausgeprägt wie das von einem Dinosaurier und die sind ja wie wir alle wissen schon längst ausgestorben.

Wir müssen unser Essen nicht mehr jagen und mit der Axt rennt auch kein Mann in den Wald, damit das zu Hause schön warm bleibt. Wir haben Supermärkte und Online- Shops, also was differenziert uns? Es ist eher die Bequemlichkeit, die uns Menschen in Deutschland verbindet.

Dank „Stromberg“ wissen wir, dass es Sexismus auf dem Arbeitsplatz gibt. Die Straßenschilder sind männerdominiert, denn man sieht selten eine Zonen- Frau. Das Thema wurde auch am „internationalen Frauentag“ in einer Fernsehsendung behandelt. Britney Spears hasst sich, weil ihr „Mann“ nie für sie da war und erst jetzt realisiert, wie wichtig es ist, sich um die Familie zu kümmern. Jetzt hätte er es verstanden, aber „wohl leider zu Spät“. Wenn ich das alles am internationalen Frauentag zu hören bekomme, wünsche ich mir die Dinosaurier zurück. Am besten wäre eine verdrehte „Jurassic Park“ – Welt. Die Dinosaurier bevölkern die ganze Weltkugel und die Menschen besiedeln eine kleine Insel, nackt! Das hätte eine Vorteile, nicht nur für die Menschheit. Das würde der Erderwärmung bestimmt gut tun und wir würden den Weltuntergang doch nicht in schon 15 Jahren miterleben, so wie es jeden Tag die wandernde Bild- Zeitung „Angela Merkel“ berichtet.

„Wir leben in einer Welt, wo wir zuerst gehen und sprechen lernen, später lernen wir dann still zu sitzen und den Mund zu halten. Es ist die Reihenfolge, in der man die Dinge lernt, die uns zu dem machen, was wir sind. Wach auf!“

Ach ja, „Menstruationsschwämmchen“ wäre ein sehr guter Titel für eine Spongebob Sendung!

Atesious Clay | 9. März 2007 | 08:49 Uhr

Ja!

metz | 9. März 2007 | 12:17 Uhr

leider konnte ich am gestrigen abend nicht dabei sein-schade.
aber ein bißchen teilhaben durfte ich auch heute noch. meine kolleginnen rätselten den ganzen morgen was genau den das oben zitierte menstruationsschwämmchen eigentlich ist.die speckulationen gingen über 1. gewebestücke im menstruationsblut über selbstgestrickte binden usw. liebe leute, dieses produkt ist nicht nur wirklich das, was man sich in seinen schlimmsten träumen vorstellt: ein kleiner naturschwamm mit kordel, den man nach einigen stunden des tragens rauszieht, auswäscht und wieder reinsteckt. nicht schön aber ökologisch einwandfrei. in diesem sinne- ob war gestern.

katja | 9. März 2007 | 19:25 Uhr

mann, mann, mann, s p e c k u l a t i o n e n. ich stehe echt zuviel in der küche.

katja | 9. März 2007 | 19:29 Uhr

katja, Du brauchst Urlaub!
“Speck”….. schon klar.

Und vielen Dank für die Aufklärung, Flo hat zum Thema “Schwämmchen” auch eine kleine Internetrecherche gestartet.
Das hat mich alles nur bestätigt: EKELHAFT

Tina | 10. März 2007 | 14:41 Uhr

Toller Bericht! Als junge und “moderne” Frau kommt mir diese Frauentags-Emanzen-Nummer auch ziemlich angestaubt vor.

Jenni | 11. März 2007 | 15:43 Uhr


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